Jugendpastoral und Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn

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Spirituelle Impulse : Martin - keine halbe Sache
Geschrieben von Carla Bieling am 02.12.2005 10:19 (1729 x gelesen)

"St. Martin, Sahankt Maaartin..."
Seine Zeit ist wieder da: An jedem 11.November feiert ihn die Christenheit.
Er lebte vor fast 1700 Jahren, aber heute noch kennt ihn fast jedes Kind.
Die Martinszüge und Spiele erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. Und während das katholische Allerheiligen-Fest sich immer mehr der Flut von Kürbissen und Horrormasken erwähren muss, bleibt der Heilige Martin, was er war: Der frohe Bote der Liebe Gottes und Künder der tätigen Nächstenliebe.

Aber mal ehrlich:
Alles das nur, weil er einmal einem Bettler ein Stück Stoff überlassen hat?
Das genügt, um heilig zu sein?

Ein wenig hilfreiches Beispiel, könnte man meinen! Wenn Ihr Kind morgen mit zerschnittenem Mantel nach hause kommt, werden Sie ihm das kaum als heiligmäßiges Handeln auslegen, und in der Politik beklagen wir seit langem, dass halbe Sachen niemandem weiterhelfen. Tatsächlich hatte Martin ja auch viel mehr zu bieten in seiner Vita!

Er war ja nicht als Christ auf die Welt gekommen. Sein Vater, der römischer Offizier war, hatte große Pläne mit Martin, eine Karriere bei den Soldaten war längst beschlossen. Doch Martin fand zum christlichen Glauben, legte zum Entsetzen der Familie das Schwert nieder und ging als waffenloser Missionar seinen eigenen Weg.

Der viel zitierte Bettler in bitter kalter Wintersnacht war da nur eine legendarische Episode auf einem Karriereweg nach unten! Martins Bescheidenheit und unermüdlicher Einsatz für Arme und Kranke werden bei seinen Zeitgenossen so hoch angesehen, dass eine Volksinitiative seine Ernennung zum Bischof fordert.
Und siehe da: Die Kirche hört auf Volkes Stimme!
Martin hört das nicht gern und will sich dieser Aufgabe entziehen, doch das Geschnatter von Gänsen lässt sein Versteck auffliegen, die Bischofsernennung lässt sich nicht mehr verhindern.
Und Martin residiert statt auf einem Thron lieber auf einem alten Schemel. Bis heute büßen Martinsgänse in unseren Kochtöpfen für den segensreichen Verrat des damaligen Federviehs.

Trotz aller märchenhaften Ausmalung der Vita dieses populären Heiligen lässt sich ein historischer Kern fassen, der uns noch immer etwas zu sagen hat:

Hier wird ein Kriegsdienstverweigerer und Missionar, ein Sozialarbeiter und Klostergründer, ein Seelsorger und Menschenfreund gefeiert. Martin lebte gegen den Trend und doch für die Menschen seiner Zeit.


Und weil er sein Licht
all zu oft unter den Scheffel stellte,
stecken bis heute Kinder
sein Licht in ihre Laternen
und schenken so unseren Straßen
einen warmen Schein.

Aber an uns Erwachsenen liegt es,
ob das Brauchtum lebendige Erinnerung
an die Liebe Gottes
und die von uns geforderte Nächstenliebe ist,
oder ob - wie bei Halloween-
eine sinnentleerte Banalität daraus wird,
die keine Botschaft mehr zu vermitteln hat.


Das Licht in den Martinslampen ist eben doch ein anderes
als das in den Gruselkürbissen,
so originell diese auch manchmal sein mögen.
Bliebe vom Martinstag nur Maskerade und Kommerz,
so wäre es eben eine halbe Sache.
Aber Politiker, Bischöfe und Alltagsmenschen,
die an Martins Lebensweg Maß nehmen,
wären ein ganz großer guter Schritt gegen den Trend.
Daran denke ich, wenn ich am 11.11. die Lichter unserer Kinder sehe. Hoffentlich darf ich viele davon sehen.

Quellen:
Text: christian naton, pastor
Bild: Carla Bieling

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