Jugendpastoral und Jugendarbeit im Erzbistum Paderborn

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Praxistipps : Vier Buchtipps für Praktiker mit Faible fürs Theoretische.
Geschrieben von Gast am 10.09.2006 09:19 (1667 x gelesen)

Vorab: Dieser Beitrag ist für alle Besucher gedacht, jedoch bedenkt bitte, dass ich KOT* Leiter bin und die Buchrezensionen unten naheliegenderweise dadurch gefärbt sein könnten.

Uuaargh! Fachliteratur, und das auch noch als Praktiker in einer Jugendfreizeitstätte! Als Praxishilfen nicht gern gesehen, weil oft zu abstrakt. Geht gar nicht, findet Ihr?

Ich finde, es geht gar nicht ohne und möchte Euch unten eine kleine Liste hilfreicher Fachliteratur mit an die Hand geben. Dabei geht es aber nicht um Bücher wie "Tonpuppen basteln mit Migrantenkindern. Eine praktische Anleitung" oder "Ferienfreizeiten planen und gestalten" sondern um ziemlich theoretisches Zeugs, für dass ich eine Vorliebe habe und das mehr ist als ein praxisfremder Spleen. Meine Schwerpunkte hierbei liegen in der beruflichen Rolle des Sozialarbeiters / Sozialpädagogen und seinem biographischen Zugang zur Rolle sowie den theoretischen Bezugssystemen
Offener Kinder- und Jugendarbeit.

Hier nun meine kommentierte Liste. Um Ergänzungen und Kommentare wird gebeten.

Thole, W., Küster-Schapfl E.U.: Sozialpädagogische Profis. Opladen 1997

Hier findet sich der eine oder die andere sicherlich wieder: Die Autoren haben durch narrative Interviews das ganze Spektrum beruflichen Handelns und dessen Verknüpfung mit einzelnen Biographien der Tätigen sondiert und so abstrahiert, dass das Teil echt eine Alternative zu den "Schmiedeabenden" bei den KOT Fachkonferenten sein kann- wenn man mal wieder Entzugserscheinungen hat.
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Knoll-Krist, D.H.: Profis im Jugendhaus. Identitätsprobleme zwischen Alltag und Utopie. Stuttgart 1985.

Obwohl schon etwas älter, hat dieses Buch doch auch aktuelle Brisanz. Mit einem etwas therapeutischeren Zugang als das erste von mir vorgestellte Buch nimmt es emotionale Signale ziemlich ernst und deutet sie . Auch hier waren narrative biographisch orientierte Interviews mit Praktikern Forschungsgrundlage.
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Harmsen, Th.: Die Konstruktion professioneller Identität in der Sozialen Arbeit Heidelberg 2004.

Hier geht es nicht speziell um Mitarbeiter in der OKJA sondern generell um Praktiker aus verschiedenen Arbeitsfeldern. Auf Basis der "Grounded Theory" entwickelt mein ehemaliger Supervisor ein Forschungsdesign, mit dem er seine unterschiedlichen Bezüge zur Praxis nutzen kann, um eine allgemeine These in einer ziemlich logischen "Beweisführung" zu untermauern: Professionelle Identität muss ein Berufsleben lang immer wieder neu reflektiert und konstruiert werden. Sie ist nie abgeschlossen und eindeutig. "Schade", mag man da denken, auch, weil ich bei mir selbst manchmal das Bedürfnis nach einem "echten" Job wie Schreiner oder so feststelle.
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Keupp, H. (Hrsg.): identitätskonstruktionen. Das Patchwork der Identitäten in der Spätmoderne. Reinbek bei Hamburg 2006 (3).

Ja, die "Patchwork identity". Tausendmal gehört und als mittlerweile leider sinnentleerte Phrase ebenso beliebt wie die allseits geschätzten Kandidaten "Risikogesellschaft" oder "Postmoderne". Das Buch geht, wie man es von einem Fachbuch erwarten darf, weiter und skizziert, dass es nicht nur uns Sozialen Arbeitern heutzutage an Eindeutigkeit und Sicherheit fehlt. Es bleibt nicht bei einer Bestandsaufnahme, sondern zeigt Ursprünge und Folgen auf. Anders aber als Heiko Kleve, bei dem man hinterher meist nicht mehr weiß, warum er seine Bücher geschrieben hat und wo sie anfingen, bleibt das vorliegende Buch praktisch, allgemein lesbar und immer nachvollziehbar.

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Bis demnächst,
Stefan Schröder

* Kleine offene Tür = Jugendzentrum

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